Predigtgedanken vom 28.02.2016

Hinweis von Sabine auf Facebook:

Hallo Ihr Lieben,
schaut euch mal die Predigtgedanken vom unserem Pfarrer Meßner an, er schreibt über unseren Shadi aus Eschringen. Echt schön !

entnommen aus http://www.pfarrei-ensheim.de/predigten-2016/2016-02-28

Liebe Mitchristen,

„Massentaufen von Flüchtlingen“, ist eines der Themen, das zur Zeit in Deutschlands Medienweilt kursiert. In einem Bericht wurde gezeigt, wie eine Freikirche ein Schwimmbad anmietete, um im Schwimmbecken dutzende ehemaliger Muslime mit großer Begeisterung zu taufen. In ihrer Heimat, so sagte einer der Neugetauften, war das undenkbar, nun bin ich frei, kann mein Leben mit Gott frei leben.

Als ich in den letzten Tagen mit Shadi einem christlichen Syrer und Lady, seiner Frau, mich getroffen habe, hat er mir ähnliches erzählt. Beide leben seit einigen Wochen hier in Eschringen im ehemaligen Kindergarten und suchen Anschluss an eine christliche Gemeinde.

Shadi, der Berufsmusiker ist, kam schon früher in Europa herum, besonders mit seiner Musikgruppe, die er leitete. Viele Jahre zuvor, so erzähle er mir in perfektem Englisch, war er ein christlicher Missionar. Er lebte in einem Kloster in Syrien, das vom Orden der Jesuiten geleitet wurde. Der italienische Priester, der dem Kloster vorstand, lebt heute nicht mehr, er wurde vom IS getötet.

Acht Jahre leitete Shadi den liturgischen Gesang im Kloster, war Organist und Chorleiter der syrisch – christlichen Gemeinde. Bis der Krieg kam und alles zerstörte.

Sein Haus, in dem er wohnte, von dem man im Internet sich noch Bilder ansehen kann, ist heute völlig zerbombt, ebenso seine Instrumente, all sein Beitz. Die letzten drei Jahre verbrachte Shadi damit, in Syrien, in seiner Heimatstadt, durch den Krieg verletzte Mitmenschen zu bergen und verwundete zu pflegen. Zweimal, so sagt er mir, explodierten beim Versuch einen verwundeten Menschen von der Straße zu bergen, Bomben über seinem Kopf.

Viele seiner Freunde leben nicht mehr, haben den Krieg nicht überkebt. Zweimal entging auch er dem sicheren Tod!

Nun ist er mit seiner schwangeren Frau nach Deutschland geflohen, weil er, wie er mir sagte, hier als Christ glaubt sicher leben zu können. In dem Gespräch mit ihm dachte ich, ich hätte ein junges europäisches Ehepaar vor mir. Ich konnte keinen Unterscheid zwischen deren und unserem Verhalten feststellen, bis auf die englische Sprache, die er spricht, weil er keinen wirklich guten deutschen Sprachkurse, wie er mir sagte, besuchen kann.

Er sucht besonders für seine schwangere Frau eine kleine, bescheidene, aber eine eigene Wohnung. Ihre jetzige Einzimmerwohnung im Kindergarten ist nicht abschließbar, seine Frau findet nachts oft keinen richtigen Schlaf, weil auch Nachts viel Lärm herrscht.

Vielleicht kennen Sie jemanden in Eschringen, der hier helfen kann, ich würde auch dabei helfen, die beiden zu vermitteln. Ich glaube, dass Shadi und seine Frau Lady wirklich sehr angenehme und unkomplizierte junge Mitmenschen sind.

Aufgeschlossen und unserer Kultur zugänglich, möchte er gerne in Deutschland weiter Agrarwissenschaften studieren.

Die Diakonie, die helfende Liebe, gehört zur Mitte des Evangeliums. Der Apostel Jakobus (2, 14-20) erinnert uns daran: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“

1 Kommentar

  1. Entnommen aus Facebook von Harald:
    Wirklich sehr schön geschrieben, um auch Einblick zu bekommen in die Lebensgeschichten der Menschen, die zu uns kommen und zu denen auch viele Muslime gehören. Für mich sind sie als Menschen alle gleich. Ob Christ oder Muslim, vielleicht schreibt Pfarrer Meßner ja im Pfarrbrief ja auch mal die Geschichte einer muslimischen Familie, das wäre ein schönes Thema zur weiteren Vertrauensbildung unter den Bürgern.

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